Harassment, Stalking

Ich versuchte ihn angeekelt anzuschauen

Ich lief heute an der Zentralhaltestelle entlang und wollte in der Galeria einkaufen. Es kam mir ein schätzungsweise 70jähriger Mann entgegen, der mich anschaute und etwas murmelte. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir nicht sicher, ob er mich meinte oder nur geistig verwirrt war.
Als ich weiter ging, kam der Mann von hinten und überholte mich, er murmelte dabei die ganze Zeit unverständlich. Als ich in die Galeria abbog, kam er mir hinterher. Spätestens jetzt war ich skeptisch und versuchte zu verstehen, was der Mann murmelte. Ich hörte so etwas wie “…das kannst du nicht abstreiten. Ich steh auf so stramme Mädchen …” Ich versuchte ihn angeekelt anzuschauen, aber das beeindruckte ihn weniger. Ich wollte mich nicht aus dem Konzept bringen lassen und ging in der Lebensmittelabteilung einkaufen und war ihm immer wieder (hoffentlich) geringschätzende Blicke zu. Der Mann verfolgte mich durch die Gänge, schaute mich immer wieder von oben bis unten an und murmelte weiter.
Ich überlegte mir grade den Mann direkt anzusprechen und laut zufragen, ob er mit mir rede, da war er plötzlich verschwunden. Ein Glück. Trotzdem schaute ich mich immer wieder um, ob er mir nicht doch noch weiter folgte. Das ganze war sehr unangenehm und ich war froh, als ich endlich in die Bahn stieg.
 

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Harassment, Verbal

Spießrutenlauf beim Fußballspiel

Normalerweise meide ich die Öffentlichkeit, wenn Fußballspiele übertragen werden, gerade in Chemnitz. Aber am Tag der Champions League und irgendeines Regionalliga-Spiels musste ich nach Leipzig fahren. Am Bahnhof ging der Spießrutenlauf los. Um in den Bahnhof zu kommen, hatte ich die Möglichkeit durch eine Tür zu gehen, vor der ein Haufen Fußballfans standen, offensichtlich in Feierlaune, oder die andere Tür zu benutzen, vor der ein Haufen gepanzerter Polizisten standen. Ich entschied mich für die Fußballfans, weil ich dachte, dass die vielleicht einfach nur nen schönen Tag haben wollen.
Als ich mich durch die Meute drängelte, ging es los mit komischen Bemerkungen und Lauten. Ich versuchte nicht drauf zu hören. Im Bahnhof wollte ich mir noch etwas zu trinken holen und ging in den Supermarkt. Davor saßen natürlich auch betrunkene Fußballfans, die komische Bemerkungen machen mussten. Ein echter Spießrutenlauf.
 

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Grabschen, Harassment, Stalking

Von der Polizei im Stich gelassen

Nach ein paar gemütlichen Bierchen in der Chemnitzer Innenstadt fuhr ich mit dem ersten Nachtbus nach Hause Richtung Bernsdorf. Von der Haltestelle Wartburgstraße lief ich allein nach Hause. An diesem Abend begegnete mir der Mann zum ersten Mal. Er lief an mir vorbei und kurz darauf griff er mir fest an den Hintern. Ich drehte mich geschockt um und er lief seelenruhig weiter. Aus Panik und Ratlosigkeit rannte ich los in Richtung eines Hauses, in dem einige meiner Freunde wohnten. Ich merkte, dass er sich umgedreht hatte und mir folgte. Während ich im Hausflur wartete bis ich Verstärkung bekam und wir den Mann zur Rede stellen konnten, blieb er zunächst stehen, beobachtete die Tür und als er bemerkte, dass ich bald nicht mehr allein sein würde, flüchtete er.
Ich begegnete ihm weitere 2 Mal. Er rannte mir hinterher, er sprach mich an, er versuchte mich erneut anzufassen. Ich ging zur Polizei und erhoffe mir Hilfe. Ich konnte lediglich eine Anzeige wegen Beleidigung (“beleidigt in meiner Ehre als Frau”) stellen, da wie mir gesagt wurde, es sich nur um Belästigung handele, wenn Geschlechtsteile berührt werden. Ich erwiderte, dass ich mich nicht unehrenhaft beleidigt fühle, sondern belästigt, egal wo mir der Typ hingegriffen hätte. Die Polizistin schrie mich daraufhin an, sie müsse es ja wohl besser wissen nach 20 Jahren im Dienst.
Von der Polizei im Stich gelassen und herabgewürdigt, als eine “an der eben ein kranker Typ Gefallen gefunden hat” und sich doch “nicht so haben soll” (Wortlaut Polizei) und immernoch verängstigt, beschrieb ich den Vorfall auf Facebook. Über 60 Mal wurde dieser Post geteilt, über 5 Personen meldeten sich bei mir mit ähnlichen Erfahrungen mit der gleichen Person. Es wurden mehrere Anzeigen gestellt, die Verfahren jedoch zum großen Teil mangels an Beweisen eingestellt…Ich hätte die Person übrigens genau Beschreiben können, aber die Polizei wollte kein Phantombild erstellen…

Street Harrassement in verschiedenen Ausformungen ist als gessellschaftliches Problem nicht akkzeptiert. Die Reaktion der Polizistin war für mich das beste Beispiel. In dem wir darüber sprechen und unser Umfeld auf Vorfälle aufmerksam machen, die uns gestört, verängstigt, beleidigt oder vollkommen aus der Bahn geworfen haben, können wir etwas verändern!
 

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Harassment, Verbal

Im Vorbeigehen raunt er leise “Geil!”

Vielleicht ist es nicht viel, aber ich denke, es ist wichtig zu zeigen, wie alltäglich Street Harassment ist. Dass es überall passieren kann. Die Häufigkeit ist es doch, die einschränkt.

Ich bin heute vom Sonnenberg zum Bahnhof gelaufen. Ich lief auf der Fürstenstraße. Etwa auf Höhe des Lidl kommt mir ein älterer, weißer Mann entgegen, Cappie, Bier in der Hand. Er schaut mich an, ich starre angestrengt in die andere Richtung. Im Vorbeigehen raunt er leise “Geil!”.

Ekelig. Ich bin doch nicht dafür da, dass der Typ sich visuell an mir aufgeilen kann. Das ist weder meine Absicht, noch fühlt es sich gut oder nach Kompliment an.
 

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Harassment, Verbal

Ich wollte doch nur meine Pizza essen

Nach einer langen Nacht halte ich gern auf dem Heimweg mit dem Fahrrad beim Döner Drive an, um den Heisshunger zu bekämpfen. Ich zögere immer wieder, allein in der Nacht dort hineinzugehen. Doch manchmal tut man es trotzdem.
Es war 5 Uhr morgens und diesmal war ich zu Fuß unterwegs. Als ich meine Pizza aß, hatte ich schon ziemlich genau im Blick, wenn jemand den Laden betrat und wo diese Personen sich hinsetzten. Eine Gruppe von drei, anscheinend angetrunkenen Männern fing meinen Blick auf, als ich wieder aufblickte, als jemand / sie den Laden betraten. Sie bestellten und mussten sich natürlich mit ihrem Essen an den Nachbartisch setzen. Ich senkte den Blick, hatte aber jede ihrer Bewegungen noch im Augenwinkel. Plötzlich war ich höchst angespannt. Sie versuchten durch ihr Verhalten meine Aufmerksamkeit zu erhalten. Sie grüßten mich und riefen mir irgendwas zu. Ich ahnte, wenn ich irgendwie reagieren würde, würden sie mich in ein Gespräch verwickeln wollen und sich sogar zu mir setzen (?). Also verhielt ich mich ruhig und tat so, als würde ich nichts bemerken. Ich wollte doch nur meine Pizza essen und nach Hause.
Ihre Stimmen wurden immer lauter. Sie redeten über mich. Dass man doch wohl antworten könne, wenn man angesprochen würde. Dass ich wohl was besseres, sei weil ich nicht reagierte. “Diese arroganten Studenten!”
Anhand ihrer Worte war mir klar, wie betrunken sie waren. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte. Und was sie vielleicht als nächstes tun würden. Ich fühlte mich mehr als bedrängt. Also schnappte ich meine Tasche, ließ die Pizza stehen und verließ fluchtartig den Laden.

Ich bereute, heute nicht mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Ich machte mir die auf dem gesamten Heimweg Gedanken, was wäre, wenn sie plötzlich neben mir im Auto Halt machen würden.

Zum Glück ist das Kopfkino meist größer als die Realität und ich kam sicher zu Hause an.

 

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Launch-Party – Impressionen

Hollaback! ZineGestern feierten wir im Lokomov unsere Launch-Party.

In sehr entspannter Location feierten wir mit coolen Leuten und guter Musik den Launch von chemnitz.ihollaback.org. Außerdem auf dem Programm, die Veröffentlichung unseres Zines. Ein Zine ist ein selbst veröffentlichtes, fotokopiertes Magazin in kleiner Auflage. Unser Thema, Street Harassment natürlich.

Falls ihr gern ein Exemplar unseres Zines hättet, meldet euch per Mail bei uns.

 

 

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Einen kurzen inhaltlichen Vortrag mussten unsere Gäste ertragen, bevor das Feiern und Schlemmen los ging. Leckeres, veganes Catering kam von Peacefood

 

 

 

 

 

 

 

DSCN2195Für die richtige Stimmung sorgte das DJ-Team Flasche & Beton. Schöne elektronische Beats in entspannter Stimmung. Wir sagen Danke!

 

Noch mehr Impressionen von unserer Party findet ihr auf Facebook.

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Grabschen, Harassment

Mir war danach ganz schlecht

Als ich letztes Mal mit dem Zug von Chemnitz nach Leipzig gefahren bin, da stieg ein älterer Mann ein und setzte sich gleich sehr zielstrebig neben mich, obwohl noch sehr viel andere Zweiersitze frei waren. Da ich sehr reisekrank bin, muss ich immer Tabletten nehmen, die mich stark einschläfern. Ständig sah der Mann zu mir rüber und versuchte Gespräche anzufangen aber ich dachte mir nur, dass er vielleicht einfach mal reden will und einsam ist. Nach ein paar Minuten bin ich eh eingeschlafen. Kurz vor Leipzig wache ich wieder auf und frage mich was sich unter meinem Po befindet. Langsam realisiere ich, dass der Mann neben mir seine Hand unter meinen Po geschoben hat. Er hat es sich nicht anmerken lassen: er hielt die Hand sehr still und schaute beschäftigt in eine andere Richtung. Als ich entsetzt aufsprang ist der Mann auch schnell aufgesprungen und schnell an der Haltestelle, an der wir gerade waren , ausgestiegen. Mir war danach ganz schlecht und ich habe mich sehr eklig und benutzt gefühlt. Vor allem habe ich mich sehr geärgert es nicht sofort gecheckt und Aufmerksamkeit auf mich gezogen zu haben.

 

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Launch-Party und Zine-Veröffentlichung

Ein selbstgebasteltes, selbst distributiertes Zine zum Thema Street Harassment

Am 15. April 2013 ging Hollaback! Chemnitz online. Hollaback ist ein weltweites Netzwerk, dass sich gegen Street Harassment und sexuell motivierte Gewalt im öffentlichen Raum gegenüber Frauen, Homosexuellen und Trans* einsetzt.

Mit dieser Plattform wollen wir allen, die Street Harassment erlebt und erfahren haben, eine Möglichkeit geben, ihre Geschichten zu teilen und die Missstände öffentlich zu machen. Der erste Schritt ist getan, aber wir wollen, dass noch mehr Leute ihre Geschichten teilen und auf Hollaback aufmerksam werden.

Aus diesem Anlass wird es am 02.05. ab 19 Uhr im Lokomov eine Launch-Party mit kurzem Vortrag zum Thema Street Harassment geben. Außerdem veröffentlichen wir unser brandneues Zine, das ihr euch kostenlos mitnehmen könnt.

Musik kommt von Flasche und Beton und Holla Häppchen wird es für euch auch geben.

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